Ablenkung am Steuer bringt jeden Tag Menschen in Lebensgefahr
Ver. Kurz das Navi antippen, eine Zigarette anzünden oder eine Textnachricht beantworten: Am Steuer kann jede Sekunde ohne Blick auf die Straße eine Tragödie auslösen. „Schon kleine Nebenaufgaben stören die Informationsverarbeitung und erhöhen die Gefahr von Beinaheunfällen, plötzlichen Ausweichmanövern oder tatsächlichen Crashs“, sagt DEKRA Verkehrspsychologe Dr. Thomas Wagner. Im aktuellen DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2026 mit dem Titel „Arbeitsplatz Straßenverkehr“ wird unter anderem auch das Unfallrisiko durch Ablenkung am Steuer thematisiert.
Viele Berufskraftfahrer, Einsatzkräfte, Kundenbetreuer im Außendienst oder Kurier- und Expressdienstleister verbringen täglich viele Arbeitsstunden auf der Straße hinter dem Steuer. Im Cockpit ihres Fahrzeugs sind sie deshalb in großem Maß „verführbar“ durch unterschiedliche Ablenkungsquellen. Wie verbreitet das Problem ist, zeigen offizielle Zahlen: Allein im Jahr 2023 registrierte das Statistische Bundesamt in Deutschland mehr als 7.500 Verkehrsunfälle mit Personenschaden, bei denen Ablenkung als Ursache festgestellt wurde. Experten gehen allerdings davon aus, dass die tatsächliche Zahl noch weitaus höher liegt.
Nicht nur Smartphones, Navi & Co. lenken ab
Verschiedene internationale Studien, die der DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2026 detailliert aufgreift, bestätigen diese Gefahr. So haben Untersuchungen mit Taxi- und Lkw-Fahrern ergeben, dass häufig während der Fahrt telefoniert wird oder Nachrichten geschrieben werden. Das Unfallrisiko steigt damit deutlich an. „Schon das Eingeben eines Ziels ins Navigationssystem oder das Schreiben einer Textnachricht erhöht die geistige Belastung, verschlechtert die Fahrleistung und führt häufig zu geringem Sicherheitsabstand oder Geschwindigkeitsüberschreitungen“, warnt Dr. Thomas Wagner.
Doch nicht nur Smartphones, Navi & Co. lenken ab. Gerade im Güterverkehr können auch monotone Fahrten über viele Stunden zum Problem werden. Lange Strecken, immer gleiche Routen und stundenlanges Alleinfahren führen häufig zu Langeweile. Die Experten sprechen in solchen Fällen von „Überforderung durch Unterforderung“. Untersuchungen zeigen, dass Fahrer dann verstärkt unzähligen Nebentätigkeiten nachgehen. Knapp 40 Prozent aller Beinaheunfälle ereigneten sich einer österreichischen Studie zufolge genau in solchen Momenten – nämlich dann, wenn der Blick nicht auf der Straße lag oder andere Tätigkeiten ausgeführt wurden.
Nur wer aufmerksam bleibt, fährt sicher
Selbst modernste Technik ist kein Freifahrtschein. Denn auch moderne Fahrerassistenzsysteme und automatisierte Fahrfunktionen lösen das Problem nicht vollständig. Zwar dürfen Fahrer mit entsprechend zugelassenen automatisierten Systemen (Level 3) in bestimmten Situationen kurzzeitig andere Tätigkeiten ausführen. Sie müssen jedoch jederzeit bereit sein, innerhalb weniger Sekunden wieder die Kontrolle über das Fahrzeug zu übernehmen. Genau darin liegt die Schwierigkeit: Wer sich intensiv mit einer anderen Aufgabe beschäftigt, braucht wertvolle Zeit, um wieder vollständig auf das Verkehrsgeschehen umzuschalten. Diese Sekunden können im Ernstfall entscheidend sein.
Deshalb empfehlen Fachleute, Nebentätigkeiten im Fahrzeug so weit wie möglich zu vermeiden. „Besonders gefährlich sind Aufgaben, bei denen Gegenstände in der Hand gehalten werden müssen – etwa Smartphones – oder der Blick längere Zeit auf ein Display gerichtet ist“, warnt Dr. Thomas Wagner. Auch geistig anspruchsvolle Tätigkeiten könnten die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Wirklich unkritisch seien nur einfache Tätigkeiten, die weder die Hände noch die Augen oder die Konzentration stark beanspruchten.
• Die wichtigste Botschaft bleibt deshalb unverändert: Wer fährt, sollte sich ausschließlich auf den Verkehr konzentrieren. Denn oft reichen schon wenige Sekunden der Unaufmerksamkeit aus – und aus einer vermeintlich harmlosen Ablenkung wird ein schwerer Verkehrsunfall.

