Marl. Kaum mehr als ein Jahr hielt die Zweckgemeinschaft aus dem 60-jährigen Ex-Bergmann und dem 21-jährigen Jura-Studenten. Jetzt ist die Fraktion zerbrochen, die Siegfried (Siggi) Schönfeld und Max Malkus unter dem Namen Bündnis 90/Die Grünen im Marler Rat gebildet hatten. Schönfeld stieg aus, weil er sich gemobbt fühlte. Den schwarzen Peter sehen die Politiker bei Max Malkus.
Schönfeld hatte für Furore gesorgt, als er 2009 auf einem Grünen-Ortsverband als Teil der Partei Bündnis 90/Die Grünen bestand. Die Marler Wählergemeinschaft Die Grünen machte nicht mit und so traten zwei Grüne-Organisationen zur Kommunalwahl an. B90/Grüne kam mit einem Sitz rein, Birgit Sandkühler verzichtete, um im Kreis und in der Landschaftsversammlung und im Kreis zu arbeiten. Schönfeld rückte nach.
Der forsche Jung-Dynamiker Malkus wurde im Rat immer mit Skepsis gesehen. Er war für die Linken angetreten und landete als Fraktionsloser im Rat. Dort ging er mit Schönfeld eine Fraktion ein. Vorteil: Es gab reichhaltig organisatorische Unterstützung von der Verwaltung und es gab Geld.
Doch Tonfall, Auftritt und Umgang von Malkus missfiel seinen Ratskollegen. Im November 2010 stand eine Neuwahl im Fraktionsvorsitz an. Schönfeld erklärte, er habe keine Einladung erhalten. Malkus war kurz zuvor bei B90/Grüne eingetreten. Die Vorsitz-Wahl war also klare Sache, Malkus wählte sich selbst und hatte damit 100 Prozent der Stimmen. Schönfeld ärgerte sich.
Nächster Knackpunkt war die Geldfrage. Schönfeld hatte einen Prozess gegen Johannes Westermann (Wählergemeinschaft Grüne) über zwei Instanzen verloren (er hatte ihm fälschlicherweise vorgeworfen, unentgeltlich Theaterkarten zu beziehen). Die Prozesskosten wollte seine Partei nicht übernehmen und bot ihm stattdessen eine andere Lösung an: Er solle sein Ratsmandat aufgeben, im Gegenzug bekomme er eine bezahlte Anstellung bei den Grünen. Schönfeld lehnte ab.
Längst hatte es wortstarke Auseinandersetzungen gegeben. Intern wurde der Ton rauer und aggressiver, in der Öffentlichkeit guckte man sich nicht mehr an.
Siggi Schönfeld sprach mit anderen Ratsfraktionen über die Zukunft, für die eigenen Grünen war er nicht zu erreichen. Als sich abzeichnete, dass er die Fraktion verlässt, wollte seine Partei das noch verhindern. Dann kündigte sie ein Ausschlussverfahren wegen „parteischädigenden Verhaltens“ an.
Siggi Schönfeld nahm«s gelassen. Er werde so lange in der Partei bleiben, bis der Ausschluss rechtskräftig werde. In der Marler Parteienlandschaft hält man es nicht für möglich, dass der Vorwurf aufrecht zu erhalten ist.
Die Konsequenz für den Rat: Die Zahl der Fraktionen verringert sich auf sieben, die Zahl der Einzelmitglieder auf drei. Und noch eine Folge: Die Stadt spart damit 40.000 Euro an Fraktionskosten im Jahr.

