
Haltern. Es war eine tolle Feier mit ausgezeichneter Stimmung und der über Halterns Grenzen hinaus bekannte Hermann Kübber trug mit einigen seiner schönen Schnurren, mit Witzen und Liedern zur Heiterkeit bei. So begeistert hält die Chronik den Beginn der Nachbarschaft Loh-und Gildenstraße fest. Das war am 28. Januar 1951, drei Wochen später verabredeten die Beteiligten einen Zusammenschluss.
Die Idee entstand bei einer kleinen Karnevalsfeier der Nachbarschaft Lohstraße in der Wirtschafts Bansberg an der Sixtuskirche. Dazu waren auch die Nachbarn aus der Gildestraße eingeladen. Am 18. Februar waren sich 36 Familien einig und eine Satzung war auch schon da: §3 Nachbarherr und Nachbarknecht werden jährlich in der Reihenfolge der Häuser neu bestellt. Nur Hausbesitzer können diese Position einnehmen. §8 Wer sich unehrenhaft benimmt, kann durch Beschluss der Hauptversammlung ausgeschlossen werden.
Und Verfehlungen gab es in der Nachbarschaft tatsächlich, wie die Chronik zum 50-jährigen Bestehen (2001) vermerkt: Aus Unwissenheit hat ein Schriftführer auch die Chronik vorgelesen. Und bei einer Kassenprüfung waren mal 10 Pfennig zu viel entdeckt worden. Was aber unverzüglich bereinigt worden sei.
Überhaupt waren die Regeln damals sehr detailliert: Nach einem vierwöchigen Krankenhausaufenthalt gab es eine Flasche Wein und 50 Gramm Bohnenkaffee, so war es 1951 festgelegt worden. Im Jahr darauf wurde eine neue Regelung eingefügt: „Aus der Nachbarschaft hervorgegangen Söhne oder Töchter können Mitglied der Nachbarschaft werden, wenn sie in Haltern wohnen.“ Und 1959 regelte die Satzung, dass die Trauerzeit für einen verstorbenen Nachbarn von drei Monate auf sechs Wochen verkürzt wurde.
Schon im Gründungsjahr wurde das erste Schützenfest gefeiert. Adolf Eckermann wurde König, Maria Hubbert Königin. Am Folgetag brachten die Männer ein Ständchen, das Königspaar bedankte sich mit einer Runde Schnaps und Zigarren. Nur noch vier Schützenfeste folgten.
Stattdessen gab es ab 1959 Sommerfest (mit wenigen Ausnahmen), die seit 1996 als Straßenfeste in einem großen Zelt vor dem Haus von Ida und Josef Lahrmann gefeiert werden. Dazu kommen das Grünkohlessen im Januar, eine Maiwanderung, ein Kinderfest und ein Fahrradausflug im Herbst.
In diesem Jahr wird das 60-jährige Bestehen gefeiert (am 26. Februar). Es hätte auch das 80-jährige Bestehen sein können, wenn um 1930 herum die Nachbarn durchgehalten hätten. Damals war bereits die Idee aufgekommen, warum die Gründung dann doch nicht zu Stande kam, ist nicht überliefert.
Längst haben sich die alten strengen Regeln den modernen Zeiten ein wenig angepasst. 1971 wurde erstmals eine Frau (Renate Schröer) mit dem Amt des „Nachbarschaftsknechts“ betraut, fünf Jahre später durften sogar Mieter das Amt einnehmen. Zurzeit besteht der Vorstand aus Nachbarherr Peter Fischer und Nachbarknecht Christof Reis.
Eine Tradition ist der Zeit nicht zum Opfer gefallen: Nachbarn, die ihr 75. Lebensjahr vollenden, erhalten jährlich Besuch von zwei Nachbarn. Zu runden oder „halbrunden“ Geburtstagen gibt es ein Ständchen, ebenso zu Silber-und Goldhochzeiten, „wobei die Lieder und Gedichtvorträge dazu jeweils in angemessener Form von einem Mitglied getextet werden“.

