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Angst vor Benzol, Krach und Flammen in Polsum

Marl. Der Nachthimmel ist taghell erleuchtet, Benzol-Geruch liegt in der Luft, die Chemieanlagen lärmen. Schon jetzt sei Polsum nicht rundweg ein Traum von Wohnen – sagen die Anlieger, die im Südwesten des Marler Stadtteils leben, wenn sie in Richtung Scholven blicken. Jetzt aber kommen dicke Sorgen auf, denn der Gelsenkirchener Chemiestandort will sich in Richtung Norden ausweisen.

Doch in Marl war das bislang kein Thema. Erst in der letzten Woche informierte die Stadtverwaltung, am gestrigen Freitag lief die Zeit für eine Stellungnahme aus. Ruckzuck waren die Bedenken der Bürger übernommen worden, die sich im Gegenzug artig für die behördliche Hilfestellung bedankten.

Die „Norderweiterung des Chemiestandortes Scholven“ umfasst ein 58 Hektar großes Gelände westlich der A 52 und nördlich der B 224. Hier sollen Möglichkeiten zur Erweiterung und für Neuansiedlungen geschaffen werden.

Was den Polsumern „große Sorgen bereitet“, wie sie jetzt erklären. Auch wenn das Gebiet noch 1000 Meter Luftlinie von der Wohnbebauung entfernt ist.

Denn obwohl es sich um reines Wohngebiet handelt, geht ein Gelsenkirchener Gutachten von einem geringen Schutzanspruch aus und einer Erhöhung des zulässigen Lärmrichtwertes um 30 Prozent, so die Bürger. Sie befürchten, dass der Benzolwert in der Luft künftig die gesetzlich erlaubte Höchstgrenze permanent überschreitet. Schon heute sei der „Nachthimmel, verbunden mit lautem, schlafstörenden Getöse, oft taghell erleuchtet“. Auf dem neuen Industriegebiet dürften bis zu 120 Meter hohe Anlagen gebaut werden – damit werde die Belastung noch höher, so die Bürger. Sorge machen ihnen auch die Grünflächen, schon jetzt ständen Baum-und Buschflächen im Umkreis von Schloss Lüttinghof im Sumpf oder Wasser und würden verrotten.

Bürgermeister Werner Arndt griff im Stadtplanungsausschuss die Bedenken auf: Marl habe sich damals wohl zu sehr auf die eigenen Fragestellungen konzentriert und nicht die Auswirkungen anderer Pläne auf Marl berücksichtigt.

Das Geständnis und die prompte Reaktion beruhigte erst einmal den aufkommenden Ärger. In der Nachbarstadt hatten sie das bürgernahe Entgegenkommen von Politik und Verwaltung nicht erfahren, berichteten sie. Das Gelsenkirchener Bauplanverfahren geht weiter. Grundsätzlich wird Marl dagegen kein Bedenken haben. Schließlich hat sie ähnliche Erfahrungen: Die Lippramsdorfer haben schwere Bedenken gegen ein Kohlkraftwerk am Nordrand des Chemieparks.

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