
Bild: Fastentücher wurden auch als Hungertuch oder Smachtlappen bezeichnet. Sie waren ein Symbol für die vorösterliche Fastenzeit. Foto: LWL/Suwelack
Vest Am Aschermittwoch begann für (nicht nur katholische) Christen die 40-tägige vorösterliche Fastenzeit. „Die Idee dahinter ist, dass Fast-und Abstinenztage der körperlichen und geistigen Vorbereitung auf kirchliche Hochfeste dienen und gleichzeitig an biblisches Geschehen erinnern sollen“, erklärt Christiane Cantauw, Geschäftsführerin der Kommission Alltagskulturforschung beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL).
Der zeitweise Verzicht auf Nahrung ist nicht auf das Christentum beschränkt, sondern wird als religiöse Praxis auch in anderen Religionen, etwa im Islam oder im Hinduismus, gepflegt.
„Fasten bedeutet, dass man sich einmal am Tag sattessen und eine kleine Zwischenmahlzeit einnehmen darf, während unter Abstinenz der Verzicht auf Fleischspeisen verstanden wird“, so Cantauw.
Fabrikarbeiter, Arme und Tagelöhner waren befreit
Fastentage waren neben den 40 Tagen von Aschermittwoch bis Karsamstag (mit Ausnahme der Sonntage) auch die Adventstage, die Quatembertage (Mittwoch, Freitag und Samstag von vier bestimmten Wochen im Jahr), die Vorabende der kirchlichen Hochfeste Pfingsten und Weihnachten sowie die Tage vor Peter und Paul (29. Juni), Mariä Himmelfahrt (15. August) und Allerheiligen (1. November).
An das Fastengebot erinnerten der Pfarrer und die so genannten Verkündbücher, die für einige Pfarrgemeinden erhalten geblieben sind.
Ö„ußerlich sichtbares Zeichen der Fastenzeit war das Fastenvelum, ein großes, besticktes Tuch, das ab Aschermittwoch zwischen den Gläubigen und dem Altar hing. Es wurde als Zeichen der Fastenzeit angesehen und „Smachtlappen“ oder „Hungertuch“ genannt. Im 19. Jahrhundert haben viele Gemeinden die Hungertücher abgeschafft.
Das Hungertuch wurde am Mittwoch der Karwoche wieder abgenommen. An diesem Tag wurde die Lukaspassion verkündet, und genau an der Stelle, an der es heißt: „Der Vorhang des Tempels riss mittendurch“ (Lk 23,45), ließ der Küster den „Smachtlappen“ zu Boden fallen.
„Zahlreiche Bevölkerungsgruppen erhielten von den Pfarrern großzügige Dispense, die sie vom Fasten entbanden. Das waren z. B. Fabrikarbeiter, Arme, Tagelöhner, gemischt-konfessionelle Familien, Reisende, Gastwirte und Militärpersonen. Auch diejenigen, die von Nicht-Katholiken eingeladen worden waren, durften eine Ausnahme machen“, erläutert Cantauw. „Wer eine Dispens erhalten hatte, sollte im Gegenzug nach Möglichkeit eine Spende entrichten. Das wurde den Gläubigen ans Herz gelegt.“
Die Kommission für Alltagskultur hat einen Blog Alltagskultur zum Thema Fasten: www.alltagskultur.lwl.org/de/blog

