
Recklinghausen. Die finanzielle Schieflage des Marler Bauträgers Neumann Wohnbau GmbH hat Auswirkungen bis nach Recklinghausen. Möglicherweise positive. Für eine neue Nutzung des alten Feuerwehrkomplexes am Rande der Innenstadt bessern sich die Zeiten und Voraussetzungen.
Der Marler Hans-Jürgen Neumann hatte einen Wettbewerb Recklinghausens von 2002/2003 gewonnen mit seinen Plänen, das Grundstück am Herzogswall/gegenüber der Einmündung Westerholter Weg städtebaulich aufzuwerten. Unten kleine Läden, darüber altengerechte Wohnungen, gebaut nach ökologischen Gesichtspunkten. Voraussetzung: Der Feuerwehrturm und die beiden Tore müssen stehen bleiben, für sie besteht Denkmalschutz. Die sind inzwischen über 100 Jahre alt. Anbauten stammen aus den 50er und 70er Jahren und können abgerissen werden.
Ende 2005 hatte die Stadt das passende Baurecht geschaffen, 2007 kaufte Neumann für 1,2 Millionen Euro den Komplex. Doch dann zog sich die Realisierung in die Länge. Neumann wollte Änderungen, suchte Partner. Dann bahnte sich die Wirtschaftskrise an und die Diskussion um die Recklinghäuser Arkaden sorgten für Verunsicherungen.
2009 versuchte Neumann das Projekt auf neue Beine zu stellen und gründete die „Projektgesellschaft Alte Feuerwache mbH & Co. Besitz-KG“ in Marl. Aber auch sie schwächelt, genau wie die Neumann Wohnbau GmbH, die mehr als ein Dutzend Hausbauer in Marl-Hüls in Schwierigkeiten gebracht hat.
Inzwischen hat die Stadt Recklinghausen Gespräche über die Rückübertragung begonnen, bestätigt Kämmerer Christoph Tesche dem Sonntagsblatt. Die Stadt hatte sich die Rücknahme des Geländes gesichert für den Fall, dass Neumann das Grundstück nicht selber bebaut.
Bezahlt werde das Geld, für das Neumann es 2007 gekauft hatte. Das sollen 1,2 Millionen sein. Dem Kämmerer treibt das keine Sorgenfalten ins Gesicht, denn es haben sich schon die ersten Interessenten gemeldet. „Die Zeit ist günstig.“ Die Wirtschaftskrise sei überwunden und mit dem Bau der Arkaden soll noch in diesem Jahr begonnen werden. Also eine klare Lage in Recklinghausen.
Es sei denn, die Politiker kommen auf die Idee, das ganze Thema mit Projekten und Fördermitteln verbinden zu wollen. So etwas kann Jahre dauern, die Chancen seien eher gering, meint Tesche.
Man solle mit langwierigen Diskussionen nicht das Zeitfenster vertrödeln. Seit nunmehr acht Jahren gammelt die Alte Feuerwache mittlerweile vor sich hin.

