
Haltern (rk). Von einem See war 1927 weit und breit noch nichts zu sehen. Doch Theodor Rohling, ein gelernter Schumacher aus Lüdinghausen, war weitsichtig und nannte seine Gaststätte „Seehof“.
Da hatte er schon reichlich Erfahrung in Haltern gesammelt. Am 1. Oktober 1912 hatte er als Pächter die gerade neu gebaute städtische Gastwirtschaft Stadtmühle am Mühlenbach übernommen.
Bereits Anfang der 20er Jahre zogen die Flussstrandbäder an Stever und Mühlenbach die Besucher in Scharen an und viele Ruhrgebietler suchten schon vor der Entstehung des Stausees die Ausflugsorte wie Stadtmühle, Strandbad Stever und das Kurhaus Heimingshof auf.
Den richtigen Riecher hatte Theodor Rohling (1869-1957): Der Eigentümer des mondänen Kurhotels „Overrather Hof“ (mit Spielcasino und Tennisplatz) verkaufte sein „Kurhotel“ bereits zwei Jahre nach seinem Erwerb, in dem es täglich außer montags Konzert und Tanz gab, für 175.000 Reichsmark an das Wasserwerk für das nördliche westfälische Kohlenrevier, die heutige Gelsenwasser AG. Neuer Pächter wurde Philipp Sebbel, ein Kornbrenner aus Olfen, der auch die Stadtmühle von Rohling übernahm.
Nach dem Verkauf 1927 investierte Rohling bereits im selben Jahr das Geld gegen den erbitterten Widerstand des Wasserwerks in Grund und Boden an der Hullerner Straße, wo er auf dem Grundstück Overrath 22 (heute Hullerner Straße 102) den Bau einer Gaststätte begann – mit gutem Blick auf den künftigen See. Er nannte sie „Seehof“ und ab Oktober 1928 gab es hier für die Halterner Bevölkerung ab 15 Uhr Konzerte.
Schon im April 1930 verkaufte Rohling das Seehofgelände an das Amt Haltern. Er hatte sich gesundgestoßen, beendete seine Aktivitäten in Haltern und zog nach Münster.
Am 11. April 1930 schlossen sich unter Führung des Landkreises das Wasserwerk Gelsenkirchen, das Amt Haltern, der Landkreis Recklinghausen, der Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk und der Provinzialverband Westfalen zur „Seegesellschaft Haltern mbH“ zusammen. Das Amt Haltern brachte die damalige Gastwirtschaft Seehof mit ein.
Im Mai 1931wurde dann das Seebad mit den Seeterrassen eingeweiht. Walter Ridder trat 1932 als Mitarbeiter seines Schwagers Robert Schroeder in die Geschäftsführung des Seehofs ein und war seit 1936 alleiniger Pächter. Bis 1997 führte die Familie Ridder die Geschäfte des Seehofs und der Seeterrassen. Dann kaufte der Unternehmer Klaus Kandaouroff den Seehof, renovierte es komplett und pachtete die Gaststätte Seeterrassen. Vor sieben Jahren entstand der Neubau, der mit einem Glasturm an den Altbau verbunden ist.
Heute hat das Hotel Seehof 200 Betten in 100 Zimmern, neun Konferenzräume, drei Restaurants, eine Schwimmabteilung und eine Wellness-und Saunalandschaft. Rund 40 Mitarbeiter kümmern sich um die Gäste.
Die Geschichte der Gastronomie im Umfeld des heutigen Halterner Stausees hat Rudolf Marwitz in seinem „Zum Konzert ins Kurhotel“ im Halterner Jahrbuch 2006 beschrieben.

