Rolf Lohmann spricht sich für regional und saisonal erzeugte Lebensmittel aus
Bild: Michael Seegers und Christian Hunzelar (v.l.) zeigen Weihbischof Rolf Lohmann, wie sich die Hitze auf den Mais auswirkt. Ein Teil der Kolben ist kaum ausgebildet. Foto: Christian Breuer
Region. Während ein Häcksler in der Nähe arbeitet, pflückt Christian Hunzelar aus Uedem einen kleinen Maiszapfen. Die wenigen gelben Körner unter den Blättern zeigen die Auswirkungen von Hitze und Trockenheit. „So sieht es aus, wenn der Mais zu viel Hitze und zu wenig Wasser bekommt – zum Glück sehen die bei uns aber nicht alle so aus“, sagt er und gibt den Zapfen an Weihbischof Rolf Lohmann.
Der Umweltbischof hört zu, als Hunzelar und der Klever Kreislandwirt Michael Seegers über die Auswirkungen des Klimas auf die Ernte sprechen. Hitze, Trockenheit und Bewässerung schaden den Pflanzen, und die Ernte fällt vielerorts schlecht aus. „Wir werden mehr mit solchen Sommern zu tun haben“, sagt Seegers. „Wir müssen uns anpassen, neue Sorten pflanzen und in passende Maschinen investieren.“
„Der Klimawandel betrifft uns alle“
Der Klimawandel trifft die Landwirtschaft hart. Mais, Zwiebeln, Kartoffeln und Rüben gedeihen nicht, und das Gras kann nicht oft genug geschnitten werden. Dadurch fehlt Futter für die Tiere. „Es reicht vorne und hinten nicht, und wir können nicht genug nachkaufen“, sagt der Kreislandwirt. Auf die Frage, wie die Landwirte das Problem lösen, zuckt Seegers resigniert mit den Schultern: „Wir verkaufen die Tiere und kaufen keine neuen. Was soll man tun, wenn man kein Futter hat?“ Auch die hohen Energiepreise belasten die Landwirte. „Wir brauchen große Landmaschinen für die Ernte, und die hohen Kraftstoffpreise kosten uns schnell mehrere 10.000 Euro, die uns niemand erstattet.“
Der Weihbischof zieht auf dem Feld ein erstes Fazit: „Es ist erschreckend, die Auswirkungen des Klimawandels direkt zu sehen. Das extreme Niedrigwasser im Rhein beeinträchtigt die Handelswege. Verheerende Waldbrände haben in Deutschland, Europa und auch in meiner Region gewütet. Und dann die trockenen Ackerböden, die zu Ernteausfällen führen. Die Folgen sind kaum zu überblicken. Der Klimawandel betrifft uns alle, und wir müssen mehr in den Schutz der Schöpfung investieren.“
Hunzelars Ehefrau Nadja weist auf ein weiteres Problem hin: „Verbraucher beeinflussen durch ihren Einkauf das Angebot. Viele kaufen lieber billige, importierte Kartoffeln aus Ägypten als regionale. Produkte, die nicht der Norm entsprechen, bleiben liegen. Dabei sind auch krumme Karotten und kurze Gurken essbar“, betont sie.
Lohmann stimmt zu: „Das ist auch ein Punkt in den 10 Thesen zum Klimaschutz der Deutschen Bischofskonferenz. Darin heißt es, dass wir in der Ernährung und im Umgang mit Lebensmitteln umdenken müssen. Lebensmittel aus nachhaltiger, regionaler und saisonaler Landwirtschaft sollten Vorrang haben. Und wir müssen Lebensmittelverschwendung reduzieren.“

