Werbe hier
Veröffentlicht in

Vom Werbekaufmann zum Prediger. Die erstaunliche Entwicklung des Oliver Kelch

Ehemaliger Agenturchef aus Recklinghausen wird zum Diakon geweiht

width=800Bild: Oliver Kelch aus Recklinghausen wird am Sonntag, 15. November, in Münster zum Diakon mit Zivilberuf von Bischof Heiner Wilmer geweiht. Foto: Michaela Kiepe

Recklinghausen. Einst war er im Kreis bekannt als umtriebiger Inhaber der Veranstaltungsagentur ODesign. Unvergessen sind beispielsweise der Elvis-Contest, den Oliver Kelch 2010 in Recklinghausen veranstaltete, oder der „Prinzessinnentag“ im gleichen Jahr. Schon zuvor beteiligten sich zahlreiche Schulen aus dem Vest bei seinem „SingStar-Contest“ im Cineworld. Bis heute hat sich sein Lebensweg grundlegend verändert: Am 15. November wird Oliver Kelch in Münster zum Ständigen Diakon geweiht.

Der 54-Jährige arbeitet als Multimediaredakteur in Köln beim Domradio und engagiert sich in der Pfarrei St. Peter in Recklinghausen. Länger war er zudem in der Verwaltung in der Pfarrei St. Antonius in Herten tätig. Ein Basiskurs im Theologiefernstudium hat ihm unter anderem den entscheidenden Impuls gegeben.

Theologie im Fernstudium

Eigentlich hatte Oliver Kelch den Diakonat nie auf dem Schirm. Als der heute 54-Jährige vor einigen Jahren begann, Theologie im Fernkurs zu studieren, wollte er vor allem mehr über den Glauben wissen. Aus seiner Neugier wurde Berufung. Nach der Weihe am 15. November wird sich Oliver Kelch ehrenamtlich in der Recklinghäuser Pfarrei St. Peter engagieren.

Wer mit Oliver Kelch spricht, merkt schnell, dass sein Lebensweg selten geradeaus verlief. Nach einer Ausbildung zum Kaufmann war er zunächst mit einer eigenen Veranstaltungsagentur ODesign selbstständig. Später wechselte er in die Verwaltung der Pfarrei St. Antonius in Herten, in die Öffentlichkeitsarbeit und schließlich zum Kölner Domradio, wo er heute als Multimediaredakteur arbeitet. Rückblickend erkennt er darin einen roten Faden. „Es ging immer eine Tür auf, wenn irgendwo eine Tür zuging“, sagt er. Selbst eine persönliche Krise wurde für ihn zum Wendepunkt. Nach der Insolvenz seiner Agentur fand er bei der Kirche einen neuen Anfang. „Die Kirche hat mich tatsächlich aufgefangen“, sagt Kelch.

Dabei war sein Verhältnis zur Kirche keineswegs selbstverständlich. Zwar empfing er Kommunion und Firmung, doch erst Ende der 1990er Jahre kam er intensiver mit dem Gemeindeleben in Berührung. Auslöser war eine Anfrage des damaligen Pfarrers Peter Lenfers, ob er die Internetseite seiner Heimatgemeinde St. Markus gestalten könnte. „Ab dem Moment war ich dann in Kirche drin“, erzählt Kelch lachend. Neben der Pflege der Website engagierte er sich unter anderem im Pfarreirat und in weiteren Bereichen.

Den entscheidenden Impuls erhielt er Jahre später während seines Fernstudiums der Theologie. Je mehr er sich mit Glaubensfragen beschäftigte, desto stärker wurde der Wunsch, sich tiefer einzubringen. Bei einer Internetrecherche stieß er auf die Möglichkeit, Diakon mit Zivilberuf zu werden.

Schlüsselerlebnis in Assisi

Besonders geprägt hat ihn die Erfahrung, Menschen begleiten zu dürfen. Einen Schlüsselmoment erlebte er während einer Reise nach Assisi. Dort begleitete er eine Pilgergruppe, hörte zu und führte viele Gespräche. „Da ist mir bewusst geworden: Das, was du hier machst, ist genau richtig. Das möchte ich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weitermachen“, sagt er.

Genau darin sieht er heute seinen Auftrag als künftiger Diakon neben Trauungen, Taufen und Predigtdienst. Nicht zuerst in großen Worten, sondern in der Nähe zu den Menschen. „Einfach zuhören“, sagt er. Ob bei Sorgen, Fragen des Glaubens oder persönlichen Krisen. Die Ausbildung habe ihn gelehrt, die Bibel neu zu lesen. „Ich würde behaupten, ich bin deutlich tiefer mit dem Glauben verwurzelt.“

Sein Engagement endet nicht an den Kirchentüren. Seit Jahren nutzt Kelch digitale Medien, um Glauben sichtbar zu machen. Er produziert den täglichen Podcast „Kelch und Amen“, gestaltet Radiogottesdienste und betreut Social-Media-Kanäle. Für ihn gehören Verkündigung und moderne Kommunikation zusammen. „Wir haben eine gute Botschaft und sollten uns damit nicht verstecken“, erklärt Kelch.

Auch als Diakon möchte er neue Wege ausprobieren. Er denkt an besondere Gottesdienstformate für junge Menschen, Podcasts und kreative Ideen für die pastorale Arbeit. Dabei gehe es ihm nicht darum, Trends hinterherzulaufen, sondern Menschen dort anzusprechen, wo sie unterwegs sind. Dass er diesen Weg gehen konnte, verdankt er auch seiner Familie. Seine Frau Nadine und die beiden inzwischen erwachsenen Kinder hätten die Jahre der Ausbildung mitgetragen. Besonders seiner Ehefrau gilt sein Dank. „Wenn ich ihren Rückhalt nicht gehabt hätte, dann hätte ich das nicht bewältigen können“, betont er.

Der Gottesdienst, in dem Bischof Heiner Wilmer die elf Männer durch Gebet und Handauflegen zu Ständigen Diakonen weiht, wird am 15. November um 14.30 Uhr im St.-Paulus-Dom gefeiert. Zudem überträgt das Bistum diesen im Livestream auf der Homepage des Bistums Münster unter www.bistum-muenster.de sowie auf seinem Facebook- und YouTube-Kanal.

Werbe hier