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Was ein Bürgermeister alles wissen und können muss

Marl. Ein Konzernlenker wird von Fachleuten ausgesucht, ein Bürgermeister vom Volk. Da können die Maßstäbe weit auseinander liegen. Und so öffnet sich in Marl wieder mal ein weiter Platz für Diskussionen, für Hektik und Angriffe. Die Bürgerliste „Wir für Marl“ trat einen kleinen Skandal los. Ihre offizielle Frage: „Welche durch regelmäßige Praxis gewonnen Erfahrungen seines vorherigen Berufslebens befähigen den Herrn Bürgermeister zur Bewältigung der Aufgaben seines Amtes?“„Diffamierend“, empörte sich Beate Kühnhenrich (WG Grüne) im Rat über diese und fünf ähnliche Fragen und bekam Beifall aus den Reihen des Rates und der Zuschauer. Ob solche Fragen überhaupt zugelassen sind? Ja, erläuterte Michael Lauche, Leiter des Bürgermeisterbüros. Fragen von Ratsmitgliedern müssen grundsätzlich zugelassen werden.Die Grünen kündigten an, bei diesem Tagesordnungspunkt den Saal zu verlassen, auch die SPD schloss sich dem an. Als es so weit war, strömten sie raus, doch weil es keine Diskussion gab, war der Punkt Sekunden später abgeschlossen.Die provozierenden Wir-Fragen hatten in der Verwaltung nur kühle Reaktionen ausgelöst. Berufliche Voraussetzungen gibt es nicht. „Auch bei der Bürgermeisterwahl gilt: Der Beste gewinnt“, erklärte Arndt locker im Rat. Typisch Demokratie: Die Mehrheit entscheidet.Rückenwind für seine provozierenden Fragen hatte der Wir-Vorsitzende Friedrich Dechert erst vor einigen Tagen auf einer Podiumsdiskussion im Rathaus erhalten. Dort beklagte Karlheinz Küting, in Marl wohnender Wirtschafts-Professor, dass es in den Rathäusern häufig zu wenig Sachverstand gebe, um eine Bilanz aufzustellen. Es sei halt schwer, die Beamten vom alten auf das neue Rechnungslegungs-System umzustellen. Und dieses sei Teil des finanziellen Dilemmas der Städte.Jede Rats-Fraktion, so forderte Küting, müsse mindestens einen Fachmann in ihren Reihen haben, der mit Bilanzen umgehen kann. Doch bekanntermaßen setzen sich die Stadträte nicht nur aus Fachleuten zusammen. Als „sachkundige Bürger“ werden viele verdiente/altgediente Parteimitglieder in die Ausschüsse geschickt. In Marl liegt die Zahl der sachkundigen Bürger bei über 200, zusätzlich zu den 50 Ratsmitgliedern.Ob sie beurteilen können, was ein „Konzern Marl“ mit einer 200-Millione-Euro-Bilanz richtigerweise zu tun hat? Es gibt ausführliche Diskussionen um kleinste Zuschüsse. Die großen Entscheidungen werden oft einfach durchgewunken, bisweilen sogar gar nicht erkannt (wie die Derivat-Geschäfte).Und Werner Arndt soll nun nachweisen, dass er für die Aufgabe als „Konzernchef“ qualifiziert ist? Die Bürgerliste „Wir für Marl“ erhielt darauf eine Antwort: „Bei der Bewältigung der jeweils anstehenden Aufgaben greift der Bürgermeister als Verwaltungsleiter auf das vorhandene Fachwissen der Veraltung zurück. Bei speziellen Fragestellungen wird zusätzlich externes Fachwissen und Sachverstand über Dachorganisation, von Fachjuristen, Gutachtern und anderen geeigneten Beratern abgefragt und hinzugezogen.“Genau so wie in einem großen Wirtschaftskonzern.Unsere Umfrage zum Thema, welche Qualitäten ein Bürgermeister haben sollte, lesen Sie hier

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