
Haltern (rk). „Alle küert gudd Platt“, sagt Willi Husmann. Leider aber immer weniger und immer seltener. Doch eine kleine Gruppe hält die Tradition aufrecht, mittlerweile seit 29 Jahren. Damals wurde bei der VHS der „Erzähl-und Lesekreis in Platt“ gegründet, deren Leiter Willi Husmann ist.
Einmal im Monat treffen sich zehn Sprach-Freunde zum Plattsprechen und -lesen. Früher kamen sie sogar wöchentlich zusammen. Christa Borgs, Renate Schröer ich Christel Hettwer sind schon seit über 30 Jahren dabei.
„Denn noch vor dem VHS-Kurs gab es schon eine Veranstaltungsreihe in St Marien, die Uli Backmann leitete, erinnert sich Christel Hettwer. Einige Jahre später leitete Franz Thewes die plattdeutsche VHS-Gruppe – rund 17 Jahre lang. Anfangs traf man sich jeden Dienstag, danach einmal im Monat. Denn viele waren berufstätig und es wurde ihnen zu viel.
Franz Thewes erzählte Geschichten von Haltern und Umgebung. Man hatte viel Spaß und so können fast alle Teilnehmer schon auf mehr als zehn gemeinsame Jahre zurückblicken. Seit einigen Jahren gibt es am Semesterende im Sommer eine Fahrradtour.
Der Großvater war „schuld“
Wie wird man eigentlich ein Freund der plattdeutschen Sprache? Christel Hettwer, inzwischen 72: „Durch meinen Großvater Hermann Kübber, bekannt als Verfasser des Halterner Heimatliedes in Platt, habe ich das Interesse an der plattdeutschen Sprache gefunden.“
Sie war dabei, als der Plattdeutsche Erzähl-und Lesekreis im Herbst 1982 mit Uli Backmann begann. Von 1984 bis 2001 leitete ihn Franz Thewes, früherer Grundschulrektor in Haltern. Es folgte Eberhard Holz bis zum Frühjahr 2010. Der war früher Studiendirektor in Datteln und zunächst selber für ein Semester Teilnehmer bei Franz Thewes. Nach dessen Tod fragten ihn die Teilnehmer, ob er den Kurs nicht fortführen könnte. Eberhard Holz war bei seinen Großeltern in Olfen viel mit dem Plattdeutschen in Berührung gekommen. „Als ich pensioniert wurde, habe ich regelmäßig Artikel und Gedichte geschrieben, die im Vestischen Kalender veröffentlicht wurden.“ Nach acht Jahren aber beendete der heute 79-Jährige seine Tätigkeit.
Mit dem zweiten Halbjahr 2010 hat Willi Husmann(63), früher Organisationsprogrammierer bei der Kreisverwaltung Recklinghausen, den Kurs übernommen, der jetzt „Erzähl-und Lesekreis in Platt“ heißt.
„Wir haben uns mit einem Augustin-Wibbelt-Text beschäftigt und im November mit Weihnachtsgedichten. Zwischendurch gibt es Gespräche über aktuelle Themen wie im Januar über winterliche Schnee-Erlebnisse“, erzählt Willi Husmann.
„Usse leiwe Platt“ heißt das Standardwerk, mit dem der Kurs arbeitet. Zwischendurch werden Döhnkes und plattdeutsche Lieder gesungen.
Jetzt freut man sich auf die nächste Veranstaltung am 22. März.
Wer sich für den „Erzähl-und Lesekreis in Platt“ interessiert: Eine Teilnahme auch am laufenden Kurs ist noch möglich. Infos: Volkshochschule in Haltern, Muttergottesstiege, Rochfordstraße 1, Tel. 02364/933-442.

