
Datteln(art). 15. Januar 1936: Die Dattelner haben endgültig genug. Sie wollen, dass ihre Ortschaft endlich als Stadt anerkannt wird. In einem Bericht an die Aufsichtsbehörde stellen sie diese ausführliche Forderung.
Schon 1928 war der Stadt vom Preußischen Staatsministerium das Stadtwappen verliehen worden. In ihrem Bericht an die Aufsichtsbehörde argumentiert die Gemeinde mit der guten Infrastruktur und der Einwohnerzahl, die mit über 20.000 Menschen damals im Mittel der meisten deutschen Städte liegt.
Im Dattelner Jahrbuch 1936 ist von 1.533.028 Tonnen geförderter Kohle und etlichen Bauprojekten die Rede. Rund 2000 Menschen sind damals arbeitslos. 27 Juden wohnen in Datteln.
Die Behörde lenkt ein. Es ist der 20. April 1936, der Geburtstag des Führers. Die Ratsherren tagen gerade im Vestischen Hof, als Landrat Dr. Otto Ehrensberger zur Tür hinein kommt und Bürgermeister Feicht den Ehrenbrief der Stadtwerdung übergibt. Hinter verschlossenen Türen. Es habe ihm Freude bereitet, „dass gerade Dattelns Wunsch am leichtesten habe erfüllt werden können.“ Ehrensberger meint Waltrop und Marl, die in diesen Tagen ebenfalls zur Stadt erhoben werden.
Weil die Entscheidung kurzfristig fällt, beschließt die Partei, das Ereignis am 13. Und 14. Juni zu feiern. Aus zwei geplanten Tagen wird eine ganze Festwoche. Unter anderem organisiert man ein Sportfest auf dem Adolf-Hitler-Platz – dem heutigen Neumarkt. Etliche Straßen und Plätze werden umbenannt, die Hafen-Straße heißt jetzt „Straße der SA“. In den Statistiken ist von einem Bierumsatz von knapp 10.000 Hektolitern die Rede – jeder männliche Dattelner Einwohner über 20 Jahre trinkt 1936 mehr als 82 Liter Gerstensaft.
Die Feier ist ausgelassen, wird aber immer wieder unterbrochen von Lobreden auf den Führer. Etliche Bürger stören sich an dem Regime.
Im Jahr 2011, zum 75-jährigen Jubiläum, will die Stadt von diesem Ereignis nicht mehr viel wissen. Ein Pressesprecher erklärt: Abgesehen von einem geführten Stadtrundgang sind keine Veranstaltungen geplant.

